Auf dem Weg zur smarten Weser

Obwohl die Binnenschifffahrt emissionsärmer als der Güterverkehr auf Straße und Schiene ist, bleibt sie eine unterschätzte Alternative in der Logistik. Engpässe in der Infrastruktur sowie analoge Verfahrens- und Kommunikationsprozesse erschweren es, ihr Potenzial voll auszuschöpfen. Mit Projekten wie „IW-NET“, „Tide2Use“ und „Binntelligent“ arbeitet die Hafenmanagement-Gesellschaft bremenports Gmbh & Co. KG mit ihren Bremer Partnern aus Forschung und Entwicklung an Lösungen für eine effiziente Binnenschifffahrt auf der Weser.

Ausgangslage // Potenziale nutzbar machen

Das Binnenschiff wird, teils zu Recht, als altmodische und langsame Transportform angesehen. Herausforderungen liegen unter anderem in der Planbarkeit und der zum großen Teil analogen Hafenverwaltung.

Dabei ist die Binnenschifffahrt und deren Timing am Standort Bremen entscheidend: Das Bundesland ist mit seinen beiden Hafenstandorten Bremen und Bremerhaven Deutschlands südlichster Seehafen mit kurzen Distanzen ins Hafenhinterland und verfügt sowohl mit seinen Umschlagsterminals in Bremerhaven als auch der Nähe zur offenen See über direkte Anbindungen an alle Weltschifffahrtsrouten. Die Weser ist zudem mit dem Mittellandkanal verbunden, über den Hannover und traditionsreiche, aber immer noch bedeutende Industriestandorte, wie Salzgitter und Braunschweig, versorgt werden.

Eine Möglichkeit, die Rahmenbedingungen für die Binnenschifffahrt günstiger und attraktiver zu gestalten, wäre die bestehende Wasserinfrastruktur stark auszubauen, Schleusen zu vergrößern, Engstellen zu erweitern und die Weser in Teilen zu verbreitern. Die Umsetzung solcher Maßnahmen ist allerdings langwierig, kostenintensiv und ökologisch teils höchst umstritten. Als Überbrückungslösung bietet sich daher ein Ansatz aus Digitalisierung, Big-Data und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz an. Große Potenziale liegen hier speziell im Verkehrsmanagement, der Synchronisierung der Verkehrsmittel, der Reduzierung von Wartezeiten beim Schleusen, den An- und Abmeldeprozessen im Hafen sowie in der Bereitstellung von smarten Landstromlösungen.

Lösung // Smart und handfest

Zur Lösung der genannten Probleme entwickelt bremenports daher gemeinsam mit Projektpartnern wie dem Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) ganzheitliche Ansätze, z.B. im Rahmen des Projektes „Innovation Driven Collaborative European Inland Waterways Transport Network“ (IW-NET). Hierbei werden auf die Anmeldung von Schiffen, die Registrierung für Landstrom, die Bereitstellung von Liegeplatzinformationen und andere digitale Dienstleistungen geschaut.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Bereich der verlässlicheren und optimierten Transitzeiten im Hafen und entlang der Weser durch intelligentes Infrastruktur- und Verkehrsmanagement. Mithilfe von Simulationstechniken sollen die Verkehre auf der Mittelweser abgebildet und in verschiedenen Szenarien durchlaufen werden. So können im digitalen Raum die Auswirkungen unterschiedlicher Verkehrsmanagementstrategien, wie beispielsweise eine „grüne Welle“ für die Weserschleusen, simuliert und evaluiert werden.

Dabei reiht sich IW-NET in das Umfeld innovativer Projekte wie „Tide2Use“ und „Binntelligent“ ein, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Binnenschifffahrt auf der Weser voranzubringen. Es verbinden sich praxisnahes handfestes und handwerkliches Hafen- und Logistik-Knowhow mit technologisch visionären Ansätzen, um im Bereich der Binnenschifffahrt Prozesse übergreifend zu modernisieren und zu optimieren. 

Ergebnis // Digitalisierung und KI im Fluss

Die bisherigen Projektergebnisse sind vielversprechend: Fortgesetzte Prozessdigitalisierung legt den Grundstein für künftige KI-Lösungen. Schleusenbelegungen und Binnenschiffsankünfte könnten schon bald durch KI vorhersagbar sein. Erste Demonstratoren ermöglichen bereits mittels entsprechender KI-Modelle, Schleusungsvorgänge im Bremer Industriehafen so energieeffizient wie möglich zu gestalten und den Transit von Bremen zu den wichtigen Binnen-Hubs der Logistik planbarer zu machen.

Eine App könnte schon bald Schiffsbesatzungen empfehlen, die Geschwindigkeit vor belegten Schleusen anzupassen; es würden Treibstoff eingespart und Emissionen vermieden werden. In Kombination mit elektronischen Hafen- und Schleusenanmeldungen könnten Prognosen über die Belegung und den Bedarf an Liegeplätzen und Schleusungen Infrastrukturmanager in die Lage versetzen, eine frühestmögliche und zuverlässige Planbarkeit im Anlaufprozess herzustellen. All dies schafft hervorragende Bedingungen, um die Binnenschifffahrt in sogenannte synchromodale Lieferketten zu integrieren, um über verschiedene Verkehrsträger oder gar das gesamte Transportnetzwerk hinweg optimieren zu können.

Perspektive // Optimal nachhaltig

Die Ansätze aus Bremen zeigen, dass die Binnenschifffahrt tatsächlich ein innovativeres Image verdient hat. Eine smarte Weser wird nicht mehr allzu lang Zukunftsmusik bleiben. Mit den ganzheitlichen und prozessorientierten Projektansätzen bei bremenports werden Lösungen entwickelt, die Binnenschifffahrt schon bald bedeutend attraktiver machen. Digitalisierung und Methoden der Künstlichen Intelligenz sind dabei zentral, werden zu einem ökonomisch und ökologisch sinnvollen Verkehrsträgerwechsel und damit zur Sicherung von Jobs in der Region beitragen.

KI Akteur
bremenports GmbH & Co. KG
Die bremenports GmbH & Co. KG verwaltet im Auftrag der Freien Hansestadt Bremen die Infrastruktur der Hafengruppe Bremen/Bremerhaven. zum KI Akteur